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Selbstmitgefühl8 Min. Lesezeit

ADHS und Selbstwert: Warum du so streng mit dir bist

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François Matthey

Gründer ADHwaS · Verstehen statt Reparieren

Viele Menschen mit ADHS tragen einen unsichtbaren Rucksack voller Kritik. Diese Last war bereits so lange dort, dass sie kaum mehr spürbar ist – wie ein alter Rucksack, den man jahrelang trägt und irgendwann nicht mehr bemerkt, wie schwer er ist.

Kindheitserfahrungen: Das Fundament der Selbstkritik

Ich erinnere mich an meinen Alltag als Kind: Hausaufgaben, die ewig dauerten. Eltern und Lehrer*innen, die fragten: «Warum kannst du dich nicht einfach konzentrieren?» Das Problem? Ich versuchte sehr hart. Aber das System meines Gehirns funktionierte anders. Stattdessen internalisierte ich eine einfache Logik: Wenn ich scheitere, während ich mich anstrenge, dann muss das Scheitern an mir liegen.

Der innere Kritiker bei ADHS: Warum er so laut ist

Emotionale Überempfindlichkeit

Menschen mit ADHS erleben ihre Gefühle intensiver. Das ist neurobiologisch. Wenn du kritisiert wirst, durchzieht diese Kritik dein ganzes Nervensystem. Du spürst nicht nur, dass du einen Fehler gemacht hast. Du spürst, dass du falsch bist.

Das Dopamin-Paradoxon

Das ADHS-Gehirn braucht Dopamin. Aber der innere Kritiker erzeugt Dopamin – durch Angst, Stress und Scham. Dein Gehirn hat gelernt, dass Kritik dich wach macht. Also hält es an dieser Stimme fest, auch wenn sie dich zerstört.

Der Unterschied zwischen Selbstkritik und Selbstreflexion

Selbstkritik: «Du bist schlecht. Du hättest es besser wissen müssen.» Selbstreflexion: «Warum habe ich so gehandelt? Was brauchte ich in diesem Moment? Was kann ich das nächste Mal anders machen?» Selbstreflexion hat keine Verurteilung. Sie hat nur Neugier.

Erste Schritte zu mehr Selbstmitgefühl

  1. Die Kritik erkennen: Beobachte eine Woche lang, wann die innere Stimme laut wird. Sobald du das Muster siehst, verliert die Stimme etwas ihrer Kraft.
  2. Die Stimme umbenennen: Gib ihr einen Namen. Das schafft Distanz zwischen dir und der Stimme.
  3. Die Ursprünge verstehen: Wo kommt diese Stimme her? Ist es die Stimme deiner Mutter, deines Vaters, deiner Lehrer*innen?
  4. Mit Selbstmitgefühl experimentieren: Wenn du einen Fehler machst, leg deine Hand auf dein Herz. Atme. Sag dir: «Das ist schwierig. Und ich bin hier.»

Fazit: Verstehen statt Reparieren

Dein innerer Kritiker ist nicht dein ADHS. Aber er ist ein Überlebensmechanismus, den du entwickelt hast, um mit einer Welt umzugehen, die dir sagte, dass du falsch bist. Wenn du verstehst, wo er herkommt, kannst du anfangen, ihn zu verändern. Das ist keine schnelle Arbeit. Aber mit jedem Tag, an dem ich mich selbst weniger verdamme, werde ich ein bisschen freier.

Das nächste für dich

Der Erwachsenenkurs ist dafür konzipiert: Wir verstehen, wo die Kritik herkommt, und bauen neue Wege auf. Du verdienst mehr Mitgefühl als das, das du dir bisher gegeben hast.

Zum Erwachsenenkurs
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François Matthey

François Matthey ist Gründer von ADHwaS. Über 15 Jahre Coaching-Arbeit. Verstehen statt Reparieren.

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